Schützenkompanie Hötting

Die Höttinger Schützen bildeten ursprünglich eine Abteilung der Aufgebotsmannschaft des großen ehemaligen Landgerichtes Sonnenburg, dessen einzige nördlich des Inn gelegene Dorfgemeinde Hötting war.

Das älteste bisher bekannt gewordene Dokument ist eine im Tiroler Landesarchiv erhaltene Standesliste aus dem Jahre 1647. Es handelt sich dabei um eine durch Erzherzog Ferdinand Karl veranlasste Aufstellung der ausgebildeten, kampffähigen und einsatzbereiten, am Höttinger Schießstand einrollierten, ansässigen Standschützen. Es sind 90 Mann namentlich angeführt.
Es ist kein Dokument betreffend die ursprüngliche

Gründung der Schützenkompanie Hötting vorhanden, also ist auch ein Gründungsdatum nicht bekannt. Überliefert ist jedoch, dass die Höttinger Standschützen bereits 1796, im Zuge des Beginnes der napoleonischen Kriege, als eigene Kompanie aufgetreten sind.

Hötting, als Ansiedlung seit vorgeschichlicher Zeit nachgewiesen, bildete die Muttergemeinde der ersten zwischen 1165/70 und 1180 durch den Grafen Berchtold III. von Andechs angelegten Markt- und Brückensiedlung Innsbruck links des Inn. An diese uralten Zusammenhänge erinnert noch heute die derzeit nach einem Brand leider noch immer nicht wiederaufgebaute "Umbrückler-" bzw. Innsbrucker Stadtalm im Höttinger Wald, unterhalb der Höttinger Alm. Übrigens ist Hötting eine der größten Katastralgemeinden Tirols und mit Abstand die größte innerhalb der Stadt Innsbruck, wohin Hötting 1938 eingemeindet worden ist.

Durch den Dorfkern von Hötting verlief entlang der heutigen Höttinger Gasse und Schneeburggasse die mittelalterliche Landstraße von Innsbruck nach Zirl, Seefeld, Scharnitz etc. Besonders hervorzuheben ist auch das Patrozinium sowohl der alten als auch der neuen Höttinger Pfarrkirche zu den Heiligen Ingenuin und Albuin, den Schutzheiligen der Diözese Brixen, der auch Nordtirol bis zum Ziller bis 1921/25 angehört hat. Hötting ist sicher einer der nördlichsten Standorte der Verehrung dieser Brixner Schutzheiligen in Tirol.

An den Tiroler Freiheitskämpfen, die im Herbst 1796 mit der französischen Invasion von Süden her begonnen haben und weitere Höhepunkte in den Jahren 1797, 1799, 1805 und vor allem 1809 erreichten, haben die Höttinger Schützen, sei es als Kompanie, sei es im Rahmen des Sonnenburger Aufgebots, stets einsatzbereit teilgenommen.

Allein bei den Kämpfen in Spinges am 2. April 1797 hatte Hötting drei Gefallene zu beklagen. Im Jahre 1809 stand die Kompanie unter dem Kommando von Hauptmann Wolfgang Natterer. Einige Höttinger Schützen unter Kassian Pucher stießen im September 1809 sogar bis Abtenau in Salzburg vor.

Das nebenstehende Bild zeigt die alte, 1969 einem Brand zum Opfer gefallene Fahne des k.k. Gemeindeschießstandes Hötting, die bereits 1797 in der Schlacht bei Spinges die Höttinger anführte. (Aquarell von Th.Walch, 1908, gemalt aus Anlass des 60-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz-Josephs)

Auch in der Folge hat die Schützenkompanie Hötting an der Verteidigung der Tiroler Südgrenze in den Kriegsjahren 1848, 1859 und 1866 teilgenommen. Als Kaiser Ferdinand I. von Österreich infolge der Wiener Revolution im Sommer 1848 einige Monate in der Hofburg in Innsbruck residierte, haben auch die Höttinger Schützen als Hofburg-Wache zur Sicherheit des Monarchen beigetragen. 1849 stiftete Erzherzogin Sophie, die Mutter Kaiser Franz Josephs I., der Schützenkompanie Hötting eine Fahne.

Beim Festzug 1863, anläßlich des 500-Jahr-Jubiläums der Übergabe der Grafschaft Tirol durch die Gräfin Margarethe von Tirol-Görz an die blutsverwandten Habsburger, vertreten durch Rudolf IV. ("der Stifter"), rückte die Schützenkompanie Hötting mit 75 Mann, drei Fahnen und eigener Musik aus. Nach der Umwandlung der Tiroler Landesschützen in eine Heereseinheit der k. k. Österreichischen Landwehr (1871) haben sich die Schützen des Höttinger Gemeindeschießstandes am 28. 1. 1882 offiziell als Standschützenkompanie deklariert und den Höttinger Oberschützenmeister Peter Gogl zum Hauptmann derselben gewählt.

Als es 1915 nach der Kriegserklärung durch Italien neuerlich galt, Tirols Südgrenze zu verteidigen, ist die Standschützen-Kompanie Hötting unter Hauptmann Johann Hatzl sofort im Mai 1915 an die Front gezogen und verblieb dort an verschiedenen Standorten bis zum Kriegsende 1918. Trotz der allgemeinen Trauer über das Friedensdiktat von 1919 und die Teilung Tirols behielt Hauptmann Hatzl seinen Optimismus und machte es möglich, daß die heimgekehrten Kameraden der Kompanie bereits 1920 wieder als Formation zur Fronleichnamsprozession ausrückten. Ähnliches wiederholte sich 1945 unter dem Hauptmann Bartl Achammer.

Seit 1958 tragen die Höttinger eine der "Speckbacher Tracht" ähnliche Tracht mit hohem, schwarzem Hut und Adlerfeder, mit blauer, vorne rot gesäumter Joppe (jedoch ohne Knopfreihen) und roter Weste. Auch die persönliche Joppe von Josef Speckbacher war z. T. rot gesäumt.

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